Abschlussbericht Beta-Tests von AzubMe (Februar-August 2022)

 

I. Versuchsziele und Rahmenbedingungen

Jede gute Idee braucht einen „Proof of Concept“. Vor dem geplanten Marktstart unserer App führten wir daher fünf regionale Modellversuche mit Betaversionen von AzubMe unter annähernden Realbedingungen in zehn Stadt- und Landkreisen von BadenWürttemberg und Rheinland-Pfalz durch.

Ziel der Modellversuche war es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie AzubMe von beiden Hauptzielgruppen (Unternehmen und Ausbildungssuchenden, v.a. Schüler*innen) angenommen wird und herauszufinden, wo technischer und funktionaler Weiterentwicklungsbedarf besteht und welche Entwicklungsfehler noch auszumerzen sind.

Insgesamt schalteten im Rahmen der Modellversuche 160 Unternehmen 438 Stellenanzeigen. Es nahmen 256 Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schulformen ab Klasse 8 teil, die 1.036 mal bei Stellenanzeigen „nach rechts wischten“, d.h. Interesse am Unternehmen signalisierten (im Folgenden: Unternehmensanfragen).

Insgesamt kam es zu 345 „Matches“ zwischen Schüler*innen und Unternehmen, d.h. Situationen von beidseitigem näheren Interesse an einer Ausbildungsstellenanzeige zwischen Schüler*in und Unternehmen.

Als Multiplikatoren auf Unternehmensseite unterstützen uns jeweils die regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie zum Teil Wirtschaftsförderungsgesellschaften und lokale Gewerbe- und Handelsvereine; auf Schülerseite vereinbarten wir Kooperationen mit weiterführenden Schulen, teilweise unterstützt durch Schulämter/Schulträger, teilweise durch individuelle Ansprache der

Schulleitungen bzw. Fachkräfte für Berufsorientierung. Marketingmaßnahmen zur Schülerakquise, etwa zielgruppengerechte targetierte Werbung über TikTok und Instagram, wurden wegen des Modellversuchscharakters bewusst noch nicht getätigt.

Unser erster Modellversuch wurde vom 27. Februar – 31. März 2022 im Landkreis Böblingen (Baden-Württemberg) durchgeführt; der letzte vom 20. Juli – 31. August 2022 in der baden-württembergischen Rhein-Neckar Region (Mannheim, Heidelberg, Kraichgau, Neckar-Odenwald-Kreis). Am umfangreichsten ist unser Feedback zum Beta-Test in Böblingen, da dieser mit der längsten Vorlaufzeit geplant und am intensivsten begleitet wurde.

Im Folgenden soll zunächst eine Gesamtauswertung erfolgen und dann die einzelnen Beta-Tests mit ihren jeweiligen individuellen Besonderheiten – von denen es einige gab – dargestellt werden.

II. Gesamtfazit und Erkenntnisse aus den regionalen Beta-Tests

Die Beta-Tests verliefen insgesamt erfolgreich und bestätigten, dass unsere App für Schüler*innen und Unternehmen eine wertvolles Tool sein kann, um einander kennenzulernen sowie schneller, einfacher und mehr Ausbildungsoptionen zu generieren.

Alle (!) teilnehmenden Unternehmen sowie die befragten Schüler*innen und Schüler zeigten in Nachbefragungen große Sympathien für Idee und Konzept von AzubMe (Web-Dashboard für Unternehmen zur Bewerberverwaltung, mobile App mit SwipingFunktion für Schüler*innen, “Matching” und Chat zwischen Unternehmen und Schülern.

Die App lief technisch und funktional noch besser, als wir uns dies dachten. Das Installieren der App durch die Schüler*innen – zunächst über ein recht komplexes zweistufiges Verfahren mittels eines Testprogramms, später einfach über App Store/Play Store funktionierte ebenso gut wie das selbständige Anlegen der Stellenanzeigen im WebDashboard durch die Unternehmen (mit vereinzelten Ausnahmen, 3 von 160 Unternehmen brauchten zusätzliche Unterstützung bei der Anzeigenerstellung).

Schüler*innen, die gut ausgefüllte Profile hatten und AzubMe aktiv nutzten, hatten stets mindestens ein Match mit einem Unternehmen, manche hatten zahlreiche Matches. Auch Ausbildungsverträge/Vorstellungsgespräche kamen zustande, wenngleich die Bestimmung der genauen Anzahl schwierig ist, da der letzte Prozessschritt (persönliches Kennenlernen, möglicher Schluss eines Ausbildungsvertrags) außerhalb der Plattform abläuft.

Auffällig war, dass Schüler*innen während der Zeiten des regulären Schulunterrichts aktiver die App nutzten als während der Ferienzeiten. Die Profile der Schüler*innen könnten – so merkten die Unternehmen an – oft noch aussagekräftiger und vollständiger sein; zudem antworten einige Schüler*innen im Chat mit den Unternehmen nur schleppend oder gelegentlich auch gar nicht. Hier bestand Nachholbedarf, dem wir durch den Einbau von mehr Pflichtfeldern bei der Profilerstellung, „Gamification“Elementen und einer höheren Frequenz von Benachrichtigungen in Richtung der Schüler Rechnung tragen.

Als zusätzliche Funktionalität wünschen sich die meisten Unternehmen die Möglichkeit, direkt auf Bewerber zugehen zu können. Schüler*innen müssen noch mehr durch die App angeleitet werden, im Chat den ersten Schritt zu machen, da in 9 von 10 Fällen das Unternehmen zuerst schreibt – dies lösen wir u.a. durch Gamification und Tipps in der App, es bedarf aber auch der Anleitung durch Kooperationslehrkräfte.

Beta-Tests früher im Schuljahr haben deutlich besser funktioniert als Tests gegen Schuljahresende und in den Sommerferien – es wurden mehr Matches erzielt, mehr Anzeigen geschaltet, mehr Schüler*innen aktiv mobilisiert als in einer Phase, die aus beginnenden Sommerferien, letzten wichtigen Prüfungen, schulischen Praktikumsphasen & co. geprägt ist. Die Schulen reagierten im Winter/Frühjahr auch erheblich kooperationswilliger und unterstützten uns in größerer Zahl als vor den Sommerferien – unter Verweis darauf, dass ein Betatest Ende/Mitte Juli nicht mit den organisatorischen Realitäten des Schulalltags in Einklang zu bringen ist, man aber gerne zu einem früheren Zeitpunkt des kommenden Schuljahres mit uns arbeiten möchte. Die hinter allen anderen Beta-Tests negativ zurückbleibenden Ergebnisse des Beta-Tests in der Rhein-NeckarRegion im Sommer 2022 sind insofern zwar schade, aber erklär- und behebbar.

Die Idee der App kam bei allen teilnehmenden Schulen gut an, insbesondere die Aspekte Einfachheit, Information über viele mögliche Angebote (Hilfsmittel zur Berufsorientierung), Gen-Z-Kompatibilität und zertifizierte DSGVO-Konformität wurden positiv hervorgehoben. Wir hätten für bessere Ergebnisse bei den Beta-Tests in Esslingen und im Rhein-Neckar-Raum die Schulkooperationen aber schneller angehen sollen. Ein Wunsch der auf Schulseite gehäuft geäußert wurde ist eine langfristige Integration von AzubMe in die schulische Organisation des Übergangs Schule-Beruf, d.h. nicht nur “Einzelaktionen” von ein paar Wochen, sondern langfristige Implementierung über ein Schuljahr hinweg. Dies korreliert gut mit unserer oben geschilderten Beobachtung, dass Schüler “unter Anleitung” die App intensiver nutzen als in den Ferien und wird etwas sein, was wir bei unseren strategischen Überlegungen für den Markteintritt berücksichtigen.

Die Kooperation mit den Multiplikatoren auf Schüler- und Unternehmensseite – ergo Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Gewerbe- und Handelsvereinen einerseits und Schulleitungen/Schulsozialarbeiter*innen/BO-Fachlehrer*innen verlief gut und fruchtbar, auf diesen Wegen wollen wir im kommenden Schuljahr 2022/23 weitermachen und weitere Multiplikatoren hinzunehmen sowie über gezieltes Social-Media-Campaigning und visuelle Formate (u.a. Filme) die Zielgruppe der Schüler*innen aktiv ansprechen.

Am Ende der Beta-Tests steht eine technisch und funktional gut erprobte Vollversion von AzubMe, die reif für den Marktstart ist und ihren “Proof of Concept” erbracht hat.

III. Einzelauswertung der regionalen Beta-Tests

1. Beta-Test: Landkreis Böblingen (Baden-Württemberg) – 27.02.-31.03.2022

Es nahmen insgesamt 33 Unternehmen aus dem Kreis Böblingen Teil, bei der Betriebsakquise wurden wir u.a. von lokalen Gewerbe- und Handelsverbänden sowie der IHK Böblingen unterstützt. Es nahmen einige namhafte große Unternehmen, etwa aus der Automobilindustrie, Gastronomie, Handwerk und dem Maschinenbau teil –  u.a. das Mercedes-Benz Werk Sindelfingen, die REISSER AG, RAS, Heinrich Schmid, Schill+Seilacher, Spirit/21 GmbH, Erikson Hotel, Huissel Tabak GmbH und viele weitere. Insgesamt wurden 89 Stellenanzeigen geschaltet.

Zudem nahmen Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schularten teil, überwiegend jedoch von der Realschule (37% der Teilnehmer). Die Schülerinnen und Schüler akquirierten wir über Schulen, zu deren Leitungen wir vor Versuchsbeginn Kontakt suchten.

Begleitet wurde der Beta-Test von der Presseberichterstattung der Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung sowie durch das Si.Ma (Sindelfingen Magazin), für dessen Berufs- und Ausbildungs-Special unser Geschäftsführer Max Reinhardt auch einen redaktionellen Beitrag zum Thema Ausbildungsbewerbung verfasste. Im Nachgang des Tests wurde ein weiterer Artikel in einer Sonderpublikation von Röhm Medien zum Thema Ausbildung & Jobs veröffentlicht.

Situation Schülerseite:

Insgesamt wurden 120 Matches zwischen Schülern und Betrieben erzielt. Aktive Schüler*innen erzielten im Schnitt 4 Matches. 87 % aller Schüler*innen, die sich aktiv beteiligt haben, haben mindestens ein Match erzielt; 100% aller Schüler*innen, die Ihren Profiltext ausgefü̈ llt und sich bei einem Unternehmen beworben haben, haben mindestens ein Match erzielt.

Auffällig war, dass auch „schwächere“ Schüler*innen, die ein gutes und aussagekräftiges Profil hinterlegt haben, sehr gut performen. Beispiel:  Schülerin einer WRS mit einem  Schnitt von 2,8, die bei 75 Stellenanzeigen einen „Swipe“ nach rechts (Anfrage) abgab, erzielte “rekordverdächtige” 31 Matches (!) und war damit die mit Abstand erfolgreichste Schülerin während des Beta-Tests und aller anderen Beta-Tests.

In 9 von 10 Fällen schrieb das Unternehmen nach einem Match den Bewerbenden und fragte z.B. nach genauen Interessen für Ausbildung/ Praktikum.

Die Schüler waren in diesem Prozessschritt somit eher zurückhaltend, woraus wir einen Auftrag für die technische Weiterentwicklung ableiteten – etwa durch den Einbau von Gamification-Elementen in der App oder die Erhöhung der Benachrichtigungsfrequenz wollen wir die Interaktionsrate der Schüler künftig erhöhen – mutige Schüler, die im Chat mit dem Unternehmen den ersten Schritt gehen, werden belohnt; weniger aktive Schüler werden sollen durch wiederholte Benachrichtigungen („neue Stellenanzeigen online“, „Lass dein Match nicht warten“ etc.) zur Rückkehr in die App animiert werden.

Bei der Befragung mittels Feedback-Formulars im Anschluss an den Beta-Test zeigt sich bei den Schülern ein positives Bild. Die meisten Schüler*innen empfanden die Bedienung der App als einfach, intuitiv und spaßig und bewerten das Angebot als hilfreich um eine Ausbildungsstelle zu finden und mit Unternehmen in Kontakt zu kommen.

Situation Unternehmensseite:

97% aller Unternehmen erhielten Anfragen über AzubMe (nur eines, das nach

Versuchsbeginn dazukam, erhielt keine).  81% der Unternehmen erzielten Matches über AzubMe. Im Durchschnitt erzielten Unternehmen 3 Matches und 7  Anfragen.

Bei der Befragung mittels Feedback-Formulars im Anschluss an den Beta-Test zeigt sich ein überwiegend positives Bild mit großer Zustimmung zum Konzept:

Lebenslauf und Anschreiben bei Azubi-Bewerbungen werden von der klaren Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen als überflüssig, da nicht zielgruppengerecht empfunden.Die einfache, intuitive und schnelle Nutzung von AzubMe überzeugt die klare Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen (große Zeitersparnis zum klassischen Prozess); ebenso das gestufte Verfahren (erst Bewerberauswahl – idealerweise mit Match, dann Chat).

Kritik wurde daran geäußert, dass Schüler die Profile unzureichend ausgefüllt haben. Dies deckt sich mit unseren Beobachtungen auf Schülerseite, wonach oft „Hilflosigkeit“ dahingehend bestand, wie das Eingabefeld optimal auszufüllen ist. Dieses Problem haben wir inzwischen technisch dadurch gelöst, dass Pflichtfelder und zusätzliche GamificationElemente eingebaut wurden. Kritik wurde zudem am zögerlichem Chat-Verhalten der Schüler geäußert (s.o.) – dies beheben wir durch den Einbau eines Belohnungssystems für mutige Schüler, die im Chat den ersten Schritt gehen und eine Erhöhung der Benachrichtungsintensität. Den Wunsch der Unternehmen, noch mehr Bewerbungen zu erhalten, werden wir durch Intensivierung der Martketingmaßnahmen nach Marktstart umsetzen – gezieltes Marketing wurde bewusst für einen reinen Beta-Test noch nicht umgesetzt.

Bei der Frage nach künftigen Weiterentwicklungsmöglichkeiten äußerten Unternehmen nahezu einhellig den Wunsch, direkt auf Bewerber zugehen zu können (Unternehmen macht ersten Schritt, nicht Schüler). Diese Funktionalität planen wir perspektivisch ein, jedoch noch nicht zum Marktstart.

2. Beta-Test: Südschwarzwald (Baden-Württemberg; Landkreise Tuttlingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar-Kreis) – 01.06.-30.06.2022

Der Beta-Test im Südschwarzwald wurde von der örtlichen IHK Schwarzwald-BaarHeuberg dankenswerterweise hinsichtlich der Betriebsakquise unterstützt (Hinweis auf Modellversuch im Newsletter für Ausbildungsbetriebe). Der Beta-Test konnte – trotz geringerer Vorbereitungszeit im Vergleich zu Böblingen und dem Fehlen jedweder vorhandener Vernetzung in Richtung Schulen und Wirtschaft im Südschwarzwald vor Beginn der Testphase – ähnlich vielversprechende Resultate erzielen wie sein Böblinger Pendant einige Wochen zuvor. Diesmal kam eine leicht weiterentwickelte Version der App zum Einsatz, die u.a. Verbesserungen im Bereich UI/UX auf Schülerseite umfasste und zudem inzwischen hinsichtlich der DSGVO-Konformität zertifiziert war. Erstmals mussten zudem die Unternehmen selbst Ihre Stellenanzeigen anlegen (beim Böblinger Beta-Test übernahmen wir diesen Prozessschritt noch für die Unternehmen).

Situation Unternehmensseite:

Insgesamt nahmen 16 Unternehmen teil, davon die meisten aus oder um Donaueschingen (5); der Rest teilte sich etwa proportional auf die anderen Kreise auf. Diese Unternehmen schalteten insgesamt 73 Stellenanzeigen. 12 von 16 Unternehmen erhielten Schüleranfragen (75 %), 11 von 16 erzielten mindestens eines der insgesamt 119 generierten Matches zwischen Unternehmen und Schüler*innen (69 %).

Eine individuelle Befragung der teilnehmenden Unternehmen mittels Feedback-Bogen ergab ein weit überwiegend positives Erfahrungsbild. Hervorgehoben wurden die Einfachheit und Nutzerfreundlichkeit. Unternehmen freuten sich über die Möglichkeit, mit Schüler*innen in direkten Kontakt zu kommen und konnten mehr Anfragen generieren als über konventionelle Wege. Einmal wurde angegeben, dass ein Ausbildungsvertrag zustande kam.

Kritisch angemerkt wurden ähnliche Punkte wie in Böblingen – im Wesentlichen der Umstand, dass die Schülerprofile noch nicht immer aussagekräftig ausgefüllt waren und Schüler im Chat oft nicht oder schleppend reagiert haben. Zum Zeitpunkt des Südschwarzwald-Beta-Tests waren unsere Maßnahmen zur Lösung dieses bereits aus dem Böblinger Betatest bekannten Problems (mehr Pflichtfelder bei Profilerstellung + Gamification + mehr Benachrichtigungen) noch nicht umgesetzt; weswegen das Aufkommen ähnlicher Anmerkungen insofern nachvollziehbar ist.

Situation Schülerseite:

Mit 134 Schülerinnen und Schülern (Schulformen: RS, WRS und Wirtschaftsgymnasium) nahmen diesmal noch mehr Nutzer der mobilen App als zuvor in Böblingen teil. Diese Schüler*innen haben 357 mal nach “rechts” gewischt, ergo ein Unternehmen für interessant befunden. Insgesamt kamen 119 Matches zwischen Unternehmen und Schülern zustande, die sich auf 47 Schüler*innen verteilen (35 % der teilnehmenden Schüler*innen erzielten also ein Match). Die niedrigere Match-Quote trotz höherer Schüler-Gesamtzahl im Vergleich zu Böblingen ist damit zu begründen, dass die Anzahl und Branchenvielfalt an Stellenanzeigen merklich geringer war, insofern für weniger Schüler*innen ein absolut interessantes Angebot dabei war (das Handwerk fehlte z.B. gänzlich im Teilnehmerkreis).

Da Nutzerverhalten und (positive) Nutzererfahrungen der Schüler*innen ansonsten nahezu exakt dem in Böblingen Beobachteten entsprachen, gehen wir davon aus, dass bei einer größeren Zahl an Unternehmen / Anzeigen aus verschiedenen Branchen auch die MatchQuote im Vergleich zur Referenz Böblingen identisch oder gar höher sein wird.

Auffällig war, dass während der Zeitabschnitte des Modellversuchs, die in den Pfingstferien lagen, weniger Interaktion mit den Stellenanzeigen stattfand, als während der regulären Unterrichtszeiten.

3. Beta-Test: Koblenz (Rheinland-Pfalz) – 01.06.-15.07.2022

Auch der weitgehend parallel zum Modellversuch im Südschwarzald stattfindende BetaTest in der Region Koblenz wurde von einem Newsletter-Beitrag der IHK Koblenz begleitet, welcher die Unternehmensakquise erheblich erleichterte.  Auch unterstützte uns die IHK hier erstmals als Multiplikator bei der Akquise von Schulen; parallel gingen aber auch wir selbst direkt auf Schulen in Koblenz und der Umgebung zu.

Zum Einsatz kam in diesem Test eine überarbeitete Softwareversion der mobilen App, die u.a. noch mehr relevante Profilangaben von den Schülern abfragte und mehr Pflichtfelder bei der Profilerstellung beinhaltete (die Anmerkungen aus Böblingen und dem Schwarzwald insofern schon teilweise umgesetzt), zudem wurden weitere technische Verbesserungen im Bereich UI/UX für Schüler vorgenommen.

Situation Unternehmensseite:

Auch in Koblenz erstellten die Unternehmen die Stellenanzeigen selbstständig, einige Unternehmen gaben im Rahmen der anschließenden Feedback-Runde auch erstmals an, auch selbstständig während der Testphase weitere Stellenanzeigen angelegt zu haben. Die Anlegung der Stellenanzeigen erfolgte mit einer einzigen Ausnahme (dort herrschte telefonsicher Supportbedarf bei der Anlegung) absolut reibungslos und wurde von den Unternehmen als sehr angenehm, einfach und schnell beschrieben.

Insgesamt wurden von 37 Unternehmen aus den Branchen Industrie, Handel und Dienstleistung 67 Stellenanzeigen angelegt. 28 der 37 Unternehmen generierten Anfragen von Schülern (76 % der Teilnehmer), insgesamt kamen 66 Matches zwischen Schülern und Unternehmen zustande.

Die im Anschluss an den Beta-Test abgefragten Nutzererfahrungen waren erneut weit überwiegend positiv; selbst Unternehmen ohne Match wiesen darauf hin, dass das Konzept und insbesondere die Staffelung im Prozessablauf (erst Match, dann Chat) einleuchtend und sinnvoll ist. Etwas häufiger als in Böblingen und im Südschwarzwald wurde der Wunsch geäußert, auch klassische Zeugnisunterlagen der Bewerber in hochgeladener Form sichten zu können; die weit überwiegende Mehrheit der Teilnehmer hielt aber auch in Koblenz einen Verzicht auf Anschreiben und Lebenslauf für sinnvoll.

Die Kritik, dass Profile schlecht ausgefüllt waren, minderte sich etwas in Folge der technischen Umsetzung; die Kritik, dass die Interaktionsrate der Schüler*innen ausbaufähig ist, blieb bestehen – dies ist zu nicht geringem Teil darauf zurückzuführen, dass Teile des Beta-Test z.T. in einer schulischen Praktikumsphase lagen, in welcher die Schüler*innen der Berufsorientierung weniger Aufmerksamkeit zukommen ließen als während des üblichen Schulalltags (eine Interpretationen, die so u.a. in Gesprächen mit den Schulen bestätigt wurde).

Situation Schülerseite:

Insgesamt nahmen 86 Schüler*innen am Koblenzer Beta-Test teil, davon die meisten von RS und WRS. Die Quote der Schüler*innen, die ein Match mit einem Unternehmen erzielten, war niedriger als in Böblingen und im Südschwarzwald (von 86 registrierten Schüler*innen 22 Personen, ergo 26 % der Teilnehmer). Pro Person kamen so im Schnitt 3 Matches zu Stande (gesamt 66 Matches), was damit zusammen hängt, dass einige Schüler*innen, die die App sehr intensiv nutzten (viele Swipes, schnelle Interaktion mit Unternehmen) sehr erfolgreich waren, während andere Schüler*innen nach der Registrierung kaum interagierten. Letzerer Umstand ist s.o. wohl mit dem Testbeginn zur Ferienzeit zu erklären, die den Koblenzer Beta-Test insofern von den vorangegangenen unterschied. Positiv auffällig war, dass die Zahl umfangreich ausgefüllter Profile leicht höher war als zuvor im Südschwarzwald oder in Böblingen.

4. Beta-Test: Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg) – 11.07.-30.08.2022

Der Beta-Test im Kreis Esslingen begann um die Pfingstferien in Baden-Württemberg herum und wurde von der IHK-Bezirkskammer Esslingen begleitet, die einen SonderNewsletter an Ihre Mitgliedsunternehmen mit dem Tenor, dass ein gemeinsamer Modellversuch von IHK und AzubMe mit einer Dauer von vier Wochen durchgeführt würde. Die Schulakquise betrieben wir hier im Unterschied zu Koblenz wieder ausschließlich selbst. Auffällig war, dass während das Interesse der Unternehmen ungemindert groß war, die Schulakquise sich zu diesem späteren Zeitpunkt im Schuljahr als schwieriger gestaltete. Einige Schulen sagten uns, sie fänden unsere Idee großartig und würden gerne mit uns kooperieren, aber der Zeitpunkt komme für sie zu spät im Jahr da sich das Schuljahr nunmehr in seiner intensivsten Phase befände (abschließende, wichtige Klausuren etc.) – uns wurde somit häufiger von Schulseite beteuert, gerne im Schuljahr 2022/23 (und dann auf Grundlage der finalen App-Version) mit uns zusammenarbeiten zu wollen.

Situation Unternehmensseite:

Insgesamt schalteten 31 Unternehmen aus Industrie, Handel, IT und Dienstleistungsbranche 128 Stellenanzeigen, somit war die Quote der Stellenanzeigen pro Unternehmen höher als zuvor in Koblenz, was v.a. mit der größeren generellen Mitarbeiterzahl der am Modellversuch teilnehmenden Unternehmen zusammenhing. Die meisten teilnehmenden Unternehmen waren bei Kirchheim/Teck und direkt in Esslingen ansässig, einige auch in und um Filderstadt. Ein signifikanter Teil der Unternehmen kam erst relativ spät (und auch nach dem Onboarding der ersten Schüler) auf die Plattform, da die Frist zwischen Bekanntgabe des Beta-Tests durch Newsletter und dem tatsächlichen Start des Beta-Tests in Esslingen erheblich kürzer bemessen war als bei den vorangegangenen Beta-Tests. Von den 31 Unternehmen erzielten 19 Anfragen von Schülern (61 %) sowie insgesamt 11 Unternehmen auch Matches; aber nahezu alle Unternehmen, die zum Start des Tests dabei waren, konnten ein Match generieren – später geschaltete Anzeigen performten i.d.R. schlechter. Insgesamt wurden 138 Schüleranfragen bei den Unternehmen generiert, die 32 Matches zwischen Unternehmen und Schüler*innen zur Folge hatten. Die Esslinger Unternehmen waren somit statistisch gesehen etwas “wählerischer” was die Auswahl der interessanten Bewerber anging, als die Unternehmen in anderen Beta-Tests; einzelne Betriebe gaben auch bei der anschließenden Feedback-Runde an, dass die Qualität der Bewerber nicht durchweg den Anforderungen entsprach (z.B. Qualifikation für dualen Studienplatz fehlte).

In der abschießenden Befragung der teilnehmenden Unternehmen wurde das positive Feedback zu UI/UX und Konzept wiederholt, das wir bereits in den vorigen Beta-Tests generiert hatten. Der Großteil der Unternehmen sieht im Verzicht auf einen klassischen Lebenslauf, Zeugnisse und Anschreiben einen richtigen Weg. Alle befragten Unternehmen wünschten sich den Einbau der Funktionalität, direkt auf Schüler*innen zugehen zu können. Bemängelt wurde hier mehr als bei den vorangegangenen Tests die recht geringe Zahl an Schüler*innen, die s.o. mit dem späten Zeitpunkt im Jahr korreliert. Nichts desto trotz gaben einige Unternehmen auch an, dass durch den AzubMe Beta-Test deutlich mehr Anfragen als auf konventionellem Weg generiert wurden. Hierbei ist auffällig, dass die Unternehmen mit vielen Anfragen in größerer geographischer Nähe zu den Schulen waren, die unseren Beta-Test unterstützten; während sich insbesondere Anzeigen aus Filderstadt und Umgebung schwertaten, da wir hier leider überhaupt keine Schulkooperation hatten. Aufgrund der großen geographischen Ausdehnung des Landkreises Esslingen war so ein Performance-Gefälle zwischen Anzeigen in der Nähe der Kooperationsschulen (Esslingen, Nürtingen, Lenningen) und den weiter entfernten klar erkennbar. Die Zahl der schlecht ausgefüllten Schülerprofile nahm – was positiv anzumerken ist – im Vergleich zu den früheren Tests ab; während die geringe Interaktionsquote der Schüler*innen durch die Ferienunterbrechung des Tests und zeitgleich stattfindende Abschlussprüfungen befördert wurde.

Situation Schülerseite:

Insgesamt nahmen 54 Schüler*innen am Versuch teil, die sich auf nur 3 Schulen aufteilten (KKS Esslingen, Neckar-Realschule Nürtingen, GWRS Lenningen). Zur Frage, warum in Esslingen deutlich weniger Schulen unterstützten, sei auf die Ausführungen zum Zeitpunkt des Beta-Tests oben verwiesen. Bei einer ersten Sondierung im Kreis Esslingen für mögliche Kooperationen 2022/23 zu Beginn des Schuljahres konnten wir schon deutlich mehr Unterstützungsinteresse zahlreicher weiterer Schulen verzeichnen, darunter auch solche, die uns im Sommer noch auf 2022/23 vertrösteten.

Die teilnehmenden Schüler*innen generierten 32 Matches mit Unternehmen (30 % der Teilnehmer), die sich auf 16 Schüler*innen verteilen. Es bestätigte sich die Beobachtung aus vergangenen Beta-Tests, dass die Schüler*innen, die aktiv in der App „swipen” und vollständige Nutzerprofile haben, auch überdurchschnittlich gut performen. Während der Sommerferien, in die ein großer Teil der Testphase fiel, arbeiteten die Schüler deutlich weniger mit der App, in dieser Zeit wurden auch weniger Anfragen und Matches mit Unternehmen generiert.

Zum Nutzerverhalten und den positiven wie negativen Erfahrungen ist im Übrigen auf die Ausführungen zum Koblenzer Beta-Test zu verweisen.

5. Beta-Test: Rhein-Neckar-Region (Baden-Württemberg; Mannheim, Heidelberg, RheinNeckar-Kreis, Neckar-Odenwald-Kreis) – 25.07.-31.08.2022

Der finale Beta-Test mit einer technisch schon weit fortgeschrittenen Version unserer App wurde im Sommer 2022 im IHK-Bezirk Rhein-Neckar durchgeführt. Die Unterstützung der IHK-Bezirkskammer, die sich zu einem recht überraschenden Zeitpunkt noch ergab, war hier schlichtweg phänomenal. Zunächst wurde unter dem Motto “Nicht ohne Ausbildungsplatz in die Sommerferien” ein Newsletter mit Versuchsankündigung an die Ausbildungsbetriebe in den 3 Landkreisen verschickt, dann wurden auch Kontakte zum staatlichen Schulamt seitens der IHK aktiviert, welches über Ihren Mailverteiler Schulen aus der gesamten Region auf den Versuch aufmerksam machte; zudem wurden gezielt die Berufsorientierungsfachkräfte der Schulen über bestehende IHK-Kontakte angesprochen.

Situation Unternehmensseite:

Das Interesse der Unternehmen, am Versuch teilzunehmen, war trotz der späten Ankündigung im Jahr enorm groß. Unternehmen sämtlicher Größenordnungen – von KMU bis hin zu international agierenden Großkonzernen – wollten Anzeigen schalten.

Insgesamt wurden schließlich von 43 Unternehmen 81 Stellenanzeigen geschaltet, die sich annähernd proportional auf die gesamte, große Region aufteilten; ein leichter Schwerpunkt war in Mannheim auszumachen. Einige Unternehmen, die die Schaltung größerer Anzeigenpakete ankündigten, unterließen dies dann am Ende doch – u.a.

aufgrund langer konzerninterner Freigabeprozesse, deren Durchlaufen einen fristgerechten Start nicht mehr möglich machte. Auch die Urlaubssituation Mitte/Ende Juli beförderte den Umstand, dass einige Unternehmen zunächst die Schaltung von Anzeigen ankündigten, die Personalabteilungen letztlich aber doch keine Anzeigen schalteten.

Insgesamt erzielten 21, ergo 49 %, der teilnehmenden Unternehmen Schüleranfragen, insgesamt gab es aber nur 31 Anfragen und 8 Matches – die klar schwächsten Zahlen im Vergleich aller Beta-Tests. Dies ist mit der besonderen Situation auf der Schülerseite aber erklärbar (s.u.).

Die Problematik “zu wenige Schüler” prägte die Rückmeldungen der Unternehmen in der sich an den Betatest anschließenden Befragung; während das Konzept und auch die Einfachheit der Anlegung der Stellenanzeigen trotz der Enttäuschung über die geringen Anzahl Schüleranfragen weiterhin von sämtlichen teilnehmenden Unternehmen positiv hervorgehoben wurde. Die Unternehmen sind durchweg bereit nochmals mit AzubMe zu arbeiten, wenn sich die Situation auf Schülerseite anders darstellt – Stichwort Versuchs-„Timing“, siehe unten.

Die selbständige Anlegung der Stellenanzeigen durch die Unternehmen verlief überwiegend sehr gut, auffällig war aber ein etwas höheres Aufkommen an Supportanfragen der Unternehmen als bei vorigen Beta-Tests. Konkret erfragt wurde zum einen die Möglichkeit, unternehmesintern mehrere Zugänge (für unterschiedliche Mitarbeiter) anzulegen; zum anderen wollten sich viele Unternehmen die Anzeigen “einmal aus Schülersicht” anschauen. Beide Anfragen haben wir technisch erfolgreich gelöst.

Situation Schülerseite:

Insgesamt nahmen – trotz Unterstützung durch Schulamt, IHK-Kontakte zu

Berufsorientierungsfachkräften und direkte Ansprache der Schulen via Mail – Schüler*innen von nur 3 Schulen teil (Marie-Baum-Schule Heidelberg, GMS Schule am Schlossplatz in Limbach & RS/WRS Waldschule Mannheim). Darüber hinaus ein paar wenige “Umschüler” von Bildungsträgern und ein Förderschüler aus der Nähe von Heidelberg, die Profile der beiden letzteren Gruppen performten aber statistisch noch schlechter als die übrigen Schüler*innen.

Der Termin der Ankündigung des Modellversuchs lag leider so spät im Schuljahr, dass nahezu sämtliche Schüler*innen der für den Ansatz “Nicht ohne Ausbildungsplatz in die Sommerferien” relevanten Abschlussklassen gar nicht mehr in der Schule waren, und somit auch nicht mehr greifbar für Lehrkräfte. Dies war selbst bei den drei teilnehmenden Schulen so; führte aber in noch mehr Fällen zu Absagen von angefragten Schulen oder dazu, dass man sich gar nicht meldete. Die Schulen wiesen klar darauf hin, dass der Zeitpunkt kurz vor den Sommerferien für einen Beta-Test gänzlich ungeeignet sei, da ein Onboarding der Schüler*innen im Klassenverbund dann schlichtweg nicht mehr zu realisieren ist. Oftmals wurde uns zugesichert, dass man im Schuljahr 2022/23 gerne mit uns intensiv und langfristig zusammenarbeite; aber unsere Anfrage nur wenige Tage vor dem Start der Sommerferien bar jeder schulischen und organisatorischen Realität sei.

Im Vergleich mit allen anderen Regionen wurden überdurchschnittlich viele Bewerberprofile als untauglich bezeichnet, was sich aus dem Feedback der Unternehmen und aus der Datenlage ablesen lässt: von 35 teilnehmenden Schüler*innen erzielten nur 3 mindestens ein Match (9 %), die Matches verteilen sich auf gerade mal 7 der teilnehmenden 43 Unternehmen. Dies ist auf drei Gründe zurückzuführen. Zunächst besteht die “Ferien-Problematik” (Schüler während der Schulzeit sehr aktiv, während der Ferien eher nicht), die sich in Ansätzen in Koblenz und Esslingen zeigte, natürlich bei den Sommerferien in ganz enormer Weise. Zweitens ist für ein Unternehmen aus Heidelberg ein Schüler aus dem östlichen Neckar-Odenwald-Kreis schlichtweg wegen der großen räumlichen Distanz nicht interessant (gilt umgekehrt selbstverständlich genau so) – treffen also eine geographisch sehr große Region auf sehr wenige, in dieser Region weit verstreute Schüler*innen, so ist dies eine toxische Kombination. Drittens war die Qualität der Bewerberprofile davon geprägt, das im Rhein-Neckar-Test erstmals Förderschüler und “Umschüler” aus Qualifizierungsmaßnahmen teilnahmen – beide Gruppen taten sich bei den Unternehmen sehr schwer.

Sämtliche dieser Probleme sind aber auf einen wesentlichen Umstand „herunterzubrechen”: dem späten Versuchsbeginn kurz vor den Sommerferien. Mit mehr Vorlauf und einem schulfreundlichen Startzeitpunkt zum Anfang oder zur Mitte des Schuljahres wären mehr Schulen in unterschiedlichen Bereichen der Regionen dabei gewesen, die exzellenten Ergebnisse anderer Beta-Tests wären so auch in der RheinNeckar-Region absolut reproduzierbar gewesen.

Insofern war der Beta-Test im Bereich Rhein-Neckar aus unserer Perspektive zwar der statistisch schlechteste, aber strategisch sehr lehrreich – denn sämtliche speziellen Probleme des Rhein-Neckar-Beta-Tests sind bei früherem Start im kommenden Schuljahr behebbar.